Bürger*innenrat Medien und Demokratie: Bürger*innen gestalten die Zukunft von Medien
Laurence Monnot & Andrea Sedlaczek, COMMIT
Medien sollen vertrauenswürdige Informationen bereitstellen, eine Kontrollfunktion wahrnehmen, Austausch unterstützen, die gesellschaftliche Vielfalt abbilden und die Teilhabe aller Bürger*innen fördern. Eine starke Demokratie erfordert im Gegenzug vielfältige unabhängige Medien. Diese Ansprüche an Medien und an die Politik zur Stärkung der Rolle der Medien für eine lebendige Demokratie diskutierten 20 Bürger*innen von März bis Mai 2025 im Bürger*innenrat Medien und Demokratie und entwickelten daraus 50 Resolutionen.
Ein EU-Projekt, organisiert von COMMIT mit Unterstützung der Europäischen Demokratie-Hauptstadt Wien
Der Bürger*innenrat Medien und Demokratie wurde im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts MeDeMAP von COMMIT – Community Medien Institut organisiert. COMMIT ist eine Weiterbildungseinrichtung an der Schnittstelle zwischen nichtkommerziellem Rundfunk, Erwachsenenbildung und Forschung in Wien. Ziel des Vereins ist die Förderung nichtkommerzieller Medien und die Vermittlung kritischer Medienkompetenz auf allen gesellschaftlichen Ebenen, insbesondere durch Weiterbildung und Begleitforschung.
Der Bürger*innenrat findet im Rahmen des EU-Forschungsprojekts MeDeMAP (Mapping Media for Future Democracies) statt, an dem COMMIT beteiligt ist. Unter der Leitung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) untersuchen Partner aus zehn EU-Ländern das Zusammenspiel von Medien und Demokratie sowie die Ansprüche der Bürger*innen an mehr Beteiligung. Parallel zu Österreich fanden auch Bürgerräte in Irland, Slowenien und der Tschechischen Republik, sowie online in Deutschland statt.
Die Europäische Demokratie-Hauptstadt Wien unterstützt den Bürger*innenrat Medien und Demokratie Österreich, der zu allen drei Zielen des Wiener Demokratie-Jahres – Dialog führen, Beteiligung fördern und Demokratie erleben – beiträgt.
Demokratie erleben und mitgestalten im Bürger*innenrat
Bürger*innenräte sind ein Instrument demokratischer Beteiligung. Durch das gemeinsame Reflektieren und Finden von Lösungen ermöglichen sie Bürger*innen, Demokratie zu erleben. Die vier Sitzungen des Bürger*innenrats Medien und Demokratie waren – nach einer Einführung am ersten Tag – den Schwerpunktthemen "Mediensysteme und Medienregulierung", "Partizipation in und durch die Medien" und "Repräsentation in den Medien" gewidmet.
Jede Sitzung begann mit Beiträgen von Expert*innen aus Forschung und Medien, gefolgt von einem Austausch, in dem die Bürger*innen den Expert*innen ihre Fragen stellen konnten. Auf dieser Grundlage identifizierten die Bürger*innen anschließend zentrale Fragestellungen. Zu den Fragestellungen erarbeiteten sie ab der zweiten Sitzung Resolutionen in Komitees, die zuletzt im Plenum gemeinsam verabschiedet wurden.
Für die Bürgerrät*innen war die Mitwirkung an der Gestaltung der Medienpolitik im Bürger*innenrat eine spannende und lehrreiche demokratische Erfahrung. "Ich hatte das Gefühl, mitzuwirken", erklärte Bürgerrätin Karin Aringer bei der öffentlichen Präsentation der Ergebnisse am 25. Juni im Presseclub Concordia in Wien.
Der Bürger*innenrat als Dialograum
Im Bürger*innenrat Medien und Demokratie kam ein diverses Panel aus 20 Bürger*innen zusammen. Sie spiegelten die Vielfalt und Breite der österreichischen Gesellschaft in Bezug auf Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildungsstand, Mediennutzung und politische Einstellungen wider.
Die Herausforderung bestand darin, aus diesen verschiedenen Blickwinkeln einen konstruktiven Austausch zu ermöglichen. Dies gelang mithilfe einer agilen Moderation. "Beim Dialog erleben wir, dass Verständigung über Meinungsunterschiede hinweg möglich ist. Wir erfahren die Kraft des tiefen Zuhörens, dass es Platz für alle gibt, und dass viele Grautöne zwischen Schwarz und Weiß liegen. Daraus können Lösungen entstehen, die von allen mitgetragen werden", erklärt Moderatorin Ruth Picker.
Für die Teilnehmer*innen war der Bürger*innenrat eine Gelegenheit, Menschen zu begegnen, die sie in ihrem eigenen Umfeld nicht treffen würden: "Es war bereichernd, sich in die Gedanken der anderen hineinzuversetzen. Das ist ein Weg, den ich begonnen habe", fasst eine Rätin am Ende der vierten Sitzung zusammen. "Das ‚Ent-Bubbeln‘ war erfrischend und hat Spaß gemacht", stimmt ihr ein anderer Teilnehmer zu.
Diese Erfahrung floss auch in die Resolutionen ein: Darin fordern sie Gemeinden, Schulen und die Erwachsenenbildung dazu auf, mehr Diskussions- und Dialogräume für Bürger*innen zu schaffen, um der ideologischen „Spaltung“ in der Gesellschaft entgegenzuwirken.
Wie geht es weiter?
Die Resolutionen des Bürger*innenrats Medien und Demokratie wurden am 25. Juni im Presseclub Concordia präsentiert und mit einem Panel mit Vertreter*innen aus den Medien und der Medien- und Bildungspolitik diskutiert. Der Austausch mit Vertreter*innen der nationalen und lokalen Politik, der Zivilgesellschaft und der Medien zu den Forderungen geht weiter.
Am 24. September 2025 lädt COMMIT im Rahmen des MeDeMAP-Projekts zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion "Citizen parliaments – learnings for democratic innovation" (Bürger*innenräte – Lehren für demokratische Innovation) an der FH St. Pölten. In der online live auf Englisch gestreamten Podiumsdiskussion werden die Ergebnisse aller Bürger*innenräte des MeDeMAP-Projektes präsentiert und diskutiert.
Der offizielle Abschluss des Projekts folgt im Frühjahr 2026. Zwei Vertreter*innen des Bürger*innenrates Medien und Demokratie werden ins Europäische Parlament eingeladen, um ihre Ergebnisse gemeinsam mit den anderen europäischen Bürger*innenräten vorzustellen.
Die Erkenntnisse des Bürger*innenrats fließen auch in weitere Angebote hinein, mit denen COMMIT Demokratiebildung und kritische Medienkompetenz in der Erwachsenenbildung fördert. Über laufende Workshops und Veranstaltungen informieren die Webseite und der Newsletter. Jeden Monat erkundet der Podcast COMMITed gemeinsam mit Expert*innen ein relevantes Thema kritisch.
Zum Bericht und den Resolutionen des Bürger*innenrates Medien und Demokratie