Integration auf Augenhöhe – Empowerment für migrantische Frauen in Wien

 

Von Marie Boller

Seit 2012 engagiert sich der Verein NACHBARINNEN für Frauen, die in Wien unter besonders isolierten Bedingungen leben. Die Sozialassistentinnen – selbst Frauen mit eigener Flucht- oder Migrationserfahrung – begegnen ihren Landsleuten auf Augenhöhe. Sie besuchen Familien in ihren Wohnungen, sprechen mit ihnen in der Muttersprache und unterstützen sie dabei, ihre Lebenssituation zu sortieren und zu verändern.
Das Ziel: Selbstermächtigung, die zu mehr sozialer Teilhabe, Bildungschancen und Gleichberechtigung führt.

Gegründet wurde der Verein von Dr.in Christine Scholten, die ihn bis heute ehrenamtlich als Geschäftsführerin leitet, gemeinsam mit DSA Renate Schnee. Die Vision der Gründerinnen war von Beginn an, Integration nicht als Verwaltungsakt, sondern als persönlichen und vertrauensvollen Prozess zu gestalten. Diese Grundhaltung prägt ihre Arbeit bis heute: Wir begegnen den Frauen dort, wo sie leben – in ihren Wohnungen, in Parks und im öffentlichen Raum – und begleiten sie Schritt für Schritt auf ihrem Weg zu mehr Selbstbestimmung.

Ein Projekt von Migrantinnen – für Migrantinnen


Ein Alleinstellungsmerkmal der NACHBARINNEN ist, dass das Empowerment-Programm von migrantischen Frauen selbst entwickelt wurde. Die Beraterinnen kennen die Herausforderungen aus eigener Erfahrung: Sprachbarrieren, fehlendes Wissen über Rechte, traditionelle Rollenbilder, die jede Selbstbestimmung blockieren. Dieses Verständnis schafft Vertrauen und öffnet Türen, die anderen verschlossen bleiben.

Beteiligung als Schlüssel zur Integration

 

Gleichberechtigte Teilhabe ist ein Grundpfeiler einer funktionierenden Demokratie. Doch viele zugewanderte Frauen in Wien sind vom politischen und gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen – oft auch, weil ihnen das Wissen über Möglichkeiten der Beteiligung fehlt. Wir wollen das ändern. Demokratie lebt von der Vielfalt ihrer Stimmen. Wenn bestimmte Gruppen – wie migrantische Frauen – kaum gehört werden, fehlen wichtige Perspektiven bei Entscheidungen, die unser Zusammenleben prägen. Die Arbeit des Vereins trägt dazu bei, diese Lücke zu schließen: Er macht Rechte verständlich, zeigt Wege zur Mitgestaltung auf und stärkt das Selbstbewusstsein, diese auch wahrzunehmen. Jede Frau, die beginnt, ihre Stimme zu erheben – ob in der Schule ihrer Kinder, im Grätzel oder in politischen Prozessen – bereichert die demokratische Kultur der Stadt.

Förderung schafft neue Chancen


Mit Unterstützung der Stadt Wien hat der Verein NACHBARINNEN 2025 das Projekt Frau.Macht.Recht umgesetzt. Es richtete sich an 75 Frauen aus arabischen, afghanischen, tschetschenischen, somalischen und türkischen Communities. In fünf Workshops setzten sie sich mit Demokratie, Rechtsstaat und gesellschaftlicher Teilhabe auseinander. Begleitet von Moderatorinnen aus ihren Communities, den Sozialassistentinnen des Vereins und einem erfahrenen Polizisten, erarbeiteten sie praxisnahes Wissen und produzierten kreative Social-Media-Videos zu ihren Erfahrungen. Das stärkt nicht nur ihre eigene Stimme, sondern macht ihre Perspektiven auch öffentlich sichtbar.

Ausblick

 

Auch in Zukunft will der Verein Frauen darin bestärken, ihre Rolle in der Gesellschaft aktiv zu gestalten – sei es durch Bildung, den Einstieg in den Arbeitsmarkt oder politische Teilhabe. Denn jede Frau, die den Schritt aus der Isolation schafft, verändert nicht nur ihr eigenes Leben, sondern wird zur Multiplikatorin für eine offene, vielfältige und gerechte Stadt. So wächst nicht nur Integration, sondern auch das Fundament unserer Demokratie – tragfähig, lebendig und für alle zugänglich.

Weitere Informationen unter www.nachbarinnen.at

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