Geschichte neu verhandeln: Partizipative Erinnerungskultur am Yppenplatz

 

Von Brunnenpassage

Die Initiative Erinnern in Zukunft bildet seit 2021 ein künstlerisch-gesellschaftliches Netzwerk, das Räume für eine plurale Erinnerungskultur in Wien öffnet. Ausgangspunkt ist der NS-Bunker im 16. Bezirk – ein bislang unzugänglicher Ort der Stadtgeschichte, der als öffentlicher Erinnerungs- und Kunstraum neu gedacht werden soll. Im Zentrum steht das Anliegen, verdrängte und marginalisierte Perspektiven auf Geschichte sichtbar zu machen und Erinnerung als lebendigen, demokratischen Prozess zu gestalten.

Die Tätigkeiten der Initiative verbinden künstlerische Praxis, Geschichtsforschung und zivilgesellschaftliches Engagement. In Kooperation mit Künstler*innen, Historiker*innen, Aktivist*innen und lokalen Nachbarschaften entstehen Performances, Ausstellungen, Filmprojekte, Stadtrundgänge und Publikationen. Diese Formate eröffnen Zugänge zu historischen Themen, die oft abstrakt oder distanziert wirken, und zeigen neue Wege auf, wie Menschen in Wien Erinnerung aktiv mitgestalten können.

Die Angebote richten sich an eine breite Zielgruppe: Anwohner*innen des Bezirks, Schüler*innen, migrantische Communities, Künstler*innen sowie zufällige Passant*innen, die durch Aktionen im öffentlichen Raum angesprochen werden. Erinnerung wird dabei nicht als abgeschlossene historische Pflicht verstanden, sondern als ein Prozess, der in der Gegenwart verhandelt wird und Zukunft gestaltet.

Interessierte können auf vielfältige Weise mitwirken: durch die Teilnahme an künstlerischen Workshops, als Beitragende bei Performances, durch das Einreichen eigener Geschichten oder Ideen, durch Kooperationen mit Vereinen, Schulen oder Kulturinstitutionen oder durch den Besuch von Veranstaltungen. Jede Form der Beteiligung bringt neue Perspektiven ein und verdeutlicht, dass plurales Erinnern nur möglich ist, wenn viele Stimmen Gehör finden.
Im Rahmen der Auszeichnung Wiens als Europäische Demokratiehauptstadt 2024/25 wurde das Projekt "Nicht meine Baustelle" realisiert – eine interaktive Installation im öffentlichen Raum am Yppenplatz in Wien-Ottakring. Passant*innen waren eingeladen, ihre Gedanken zu Baustellen, Stadtveränderung und Verdrängung zu teilen. Die Aktion entstand in Kooperation mit der FH Salzburg, dem Haus der Geschichte Österreich und der Brunnenpassage und fand große Resonanz: Zahlreiche Menschen beteiligten sich spontan, sodass der Platz für einige Tage zu einem offenen Forum über Stadtentwicklung und Teilhabe wurde. Mehr Informationen

In den kommenden Monaten wird die Arbeit an der Öffnung des Bunkers unter dem Yppenplatz fortgesetzt, neue partizipative Formate werden entwickelt und internationale Kooperationen ausgebaut. Langfristiges Ziel ist es, den Bunker als einen Ort zu etablieren, an dem plurales Erinnern, künstlerische Praxis und demokratische Teilhabe Hand in Hand gehen – mitten in der Stadt und offen für alle, die sich einbringen möchten.

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