(un)sichtbar - Was denken die, die nicht wählen dürfen?

 

von Sozialwerk Don Bosco

Vor laufender Kamera über Demokratie und Politik zu sprechen, kann für viele junge Menschen eine große Herausforderung darstellen. Besonders wenn eine andere Erstsprache, die Angst vor Blamage oder die Sorge um die Auswirkungen auf den eigenen Asylstatus hinzukommen, wird der offene Dialog schnell zur Hürde. Hier setzt das (un)sichtbar-Projekt des Sozialwerks an, gefördert vom Büro für Mitwirkung der Stadt Wien. Mit Mitteln wie Masken, Greenscreen und AI-unterstützter Videobearbeitung werden Gesprächspartner*innen unsichtbar gemacht und kurze Videos für Social Media erstellt. Ziel ist es, mit jenen ins Gespräch zu kommen, die sich nicht gehört fühlen – sowohl persönlich als auch online.

Gemeinsam für junge Menschen in Wien

 

Das Sozialwerk engagiert sich seit 2002 in Wien für die Anliegen junger Menschen. Ursprünglich als Don Bosco Flüchtlingswerk gegründet, um unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen Schutz, Bildung und eine faire Chance auf Integration zu bieten, wurde die Organisation 2019 in Don Bosco Sozialwerk umbenannt, um einem breiter werdenden Tätigkeitsfeld gerecht zu werden.

Die Arbeit des Sozialwerks gliedert sich in vier Bereiche, die das ganzheitliches Verständnis des Entwicklungs- und Wachstumsbedarfs von Kindern und Jugendlichen symbolisieren:

  • Wohnen & Wachsen: Hier finden minderjährige Jugendliche und junge Erwachsene aus verschiedenen Kulturen ein sicheres "Zuhause auf Zeit". Die zum Sozialwerk kommenden minderjährigen Kinder und Flüchtlinge werden rund um die Uhr sozialpädagogisch betreut.

  • Leben & Lernen: Das Recht auf Bildung ist ein Menschenrecht. In diesem Bereich begleitet das Sozialwerk junge geflüchtete Menschen auf ihrem Bildungsweg und unterstützt sie in ihrer schulischen und beruflichen Entwicklung.

  • Helfen & Handeln: Ob Skillstraining oder Sozialberatung für junge Menschen, die Koordinierung der Ehrenamtlichen oder die Umsetzung von Projekten für die Gemeinschaft – hier kümmert sich das Sozialwerk um Zusammenhalt und Gemeinschaft.

  • Begegnen & Bewegen: In offenen Kinder- und Jugendzentren bietet das Sozialwerk Räume, in denen Besucher*innen sich ausprobieren und entfalten können. Ein interdisziplinäres Team setzt vielfältige Angebote um und bietet ein offenes Ohr für die großen und kleinen Probleme des Alltags.

Der Fokus des Sozialwerks liegt stets auf der Verbesserung der Lebensbedingungen junger Menschen, insbesondere in Bezug auf Demokratie und Partizipation. Es bietet Workshops an Schulen an, schafft mit "Pizza & Politik" Begegnungszonen zwischen Jugendlichen und Lokalpolitiker*innen und organisiert Schüler*innen-Parlamente.

Projekt (un)sichtbar

 

Das (un)sichtbar-Projekt nutzt die Erfahrung des Sozialwerks in der Demokratiebildung, um ein Medienprojekt mit Kindern und Jugendlichen zu starten. In der alltäglichen Arbeit sehen die Mitarbeiter*innen des Sozialwerks immer wieder, wie wichtig eine aktive Auseinandersetzung mit Politik und Demokratie ist. Der digitale Raum wird hierbei zunehmend zur Sozialisations- und Bildungszone, birgt jedoch auch die Gefahr von Ausgrenzung und Stigmatisierung.

Wie interviewt man also einen jungen Schutzsuchenden, der sich kritisch gegenüber bestimmten Aspekten unserer Demokratie äußern möchte, aber Angst hat, dass dies seine Chancen auf Asyl mindern könnte? Wie spricht man mit einem jungen queeren Menschen, der fürchtet, wie seine Freund*innen auf seine Meinung reagieren würden?

Das (un)sichtbar-Projekt setzt hier an. Um Jugendlichen die Freiheit zu geben, ihre Meinung zu äußern, werden die Interviews durch den Einsatz von Masken, Greenscreen und Videoschnitt anonymisiert, sodass nur Kleidung und Körpersprache sichtbar bleiben. Dadurch werden ansprechende Inhalte für die sozialen Medien geschaffen und regen sowohl die Interviewpartner*innen als auch die Zuschauer*innen zur Reflexion an.
So bietet sich jungen Menschen ein geschützter Rahmen, um über persönliche oder kontroverse Themen im Zusammenhang mit Demokratie und Partizipation in Wien zu sprechen, ohne Angst vor Kritik von Freunden, Eltern oder Lehrern haben zu müssen. So werden vermeintlich Unsichtbare unserer Gesellschaft sichtbar, während sie gleichzeitig ihre Anonymität wahren – eben (un)sichtbar!

Beispiele dieser Arbeit finden sich auf Instagram unter @unsichtbar_in_oesterreich. Wenn du zwischen 10 und 28 Jahren alt bist und Lust hast, mitzumachen und deine Meinung zu äußern, melde dich bei unter comein@sozialwerk.at oder auf Instagram.

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